Wer ein Unternehmen führt, denkt bei Vermögensaufbau zuerst an Immobilien, ETFs oder Beteiligungen. Der Kunstmarkt taucht in dieser Überlegung selten auf, obwohl er in den vergangenen zwei Jahrzehnten bemerkenswerte Zahlen geliefert hat. Der Art Basel and UBS Global Art Market Report bezifferte das weltweite Handelsvolumen für 2023 auf rund 65 Milliarden US-Dollar. Davon entfällt ein erheblicher Anteil auf Auktionshäuser, die längst nicht nur Gemälde versteigern, sondern auch Oldtimer, Uhren, Schmuck und Whisky.
Warum Auktionen für Unternehmer interessant sind
KMU-Inhaber haben gegenüber Privatanlegern einen strukturellen Vorteil: Sie denken in Kategorien wie Liquidität, Risikodiversifikation und Zeithorizont. Genau diese Denkweise passt zum Auktionsmarkt. Kunst und Sammlerobjekte korrelieren nur schwach mit Aktien- oder Anleihemärkten. In wirtschaftlich schwierigen Phasen, etwa während der Finanzkrise 2008 oder der Covid-Verwerfungen 2020, haben hochwertige Positionen im Auktionsmarkt teils besser abgeschnitten als klassische Wertpapierportfolios.
Das heißt nicht, dass der Markt risikolos ist. Aber wer bereits ein Geschäft betreibt und Rücklagen verwaltet, kann Teile davon in Assets parken, die unabhängiger von Zinszyklen sind. Der entscheidende Unterschied zur Aktie: Ein Picasso oder ein seltener Patek-Philippe-Chronograph verliert nicht innerhalb von Stunden 30 Prozent seines Wertes, weil eine Notenbank die Zinsen anhebt.
Wie der Auktionsmarkt funktioniert
Die großen Häuser wie Sotheby’s, Christie’s und Phillips dominieren das internationale Geschäft. Sotheby’s allein erzielte 2023 einen Jahresumsatz von über 8 Milliarden Dollar. Daneben gibt es spezialisierte Auktionshäuser für Automobile, Wein oder Designklassiker. RM Sotheby’s ist das weltweit führende Haus für Collectors Cars und hat in einzelnen Auktionen Erlöse von über 400 Millionen Dollar erzielt.
Wer sich mit diesen Häusern vertraut machen möchte, findet in einem ausführlichen Ratgeber: teuerstes.de einen strukturierten Überblick über Funktionsweise, Gebührenmodelle und bemerkenswerte Verkaufsrekorde, der auch für Einsteiger ohne Branchenkenntnisse geeignet ist. Das Verständnis der Käuferprovision ist dabei zentral: In der Regel zahlen Bieter zusätzlich zum Hammerpreis eine Provision zwischen 15 und 26 Prozent. Diese sogenannte Buyer’s Premium verändert die Renditerechnung erheblich und wird von Unerfahrenen oft unterschätzt.
Renditen und Risiken nüchtern betrachtet
Der Mei Moses Art Index, der Wiederverkäufe von Kunstwerken über Jahrzehnte trackt, zeigt für Spitzenpositionen durchschnittliche jährliche Renditen zwischen 5 und 8 Prozent. Das klingt solide, sagt aber wenig über Einzelfälle aus. Ein Banksy-Werk, das 2014 für 137’000 Pfund versteigert wurde, brachte 2021 über 16 Millionen Pfund. Auf der anderen Seite gibt es Künstler, deren Markt nach dem Tod oder nach einem Modewechsel eingebrochen ist und nie zurückgekehrt ist.
- Liquiditätsrisiko: Ein Kunstwerk lässt sich nicht innerhalb von Minuten verkaufen. Auktionszyklen laufen halbjährlich oder jährlich, und eine Garantie auf den Verkauf gibt es nicht.
- Echtheitsfragen: Fälschungen sind im Kunstmarkt ein reales Problem. Ohne unabhängiges Gutachten und Provenienznachweis sollte niemand größere Summen einsetzen.
- Lagerung und Versicherung: Physische Assets brauchen klimatisierte Lager, Spezialversicherungen und regelmäßige Zustandskontrollen. Das erzeugt laufende Kosten.
- Steuerliche Behandlung: In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus privatem Vermögen in der Regel steuerfrei. In Deutschland gilt eine Haltefrist von einem Jahr für steuerfreie Gewinne bei beweglichen Wirtschaftsgütern. Wer als Unternehmer investiert, braucht steuerliche Beratung.
Einstiegspunkte für KMU-Inhaber ohne Millionenbudget
Der Mythos, dass Kunstauktionen erst ab sechs- oder siebenstelligen Budgets relevant werden, stimmt nicht mehr. Bei Dorotheum Wien oder Koller Zürich gibt es regelmäßig Auktionen, bei denen Werke für 2’000 bis 20’000 Franken den Besitzer wechseln. Online-Auktionen über Paddle8 oder Invaluable haben die Einstiegsschwelle zusätzlich gesenkt. Wer mit einem Budget von 10’000 bis 50’000 Franken beginnen möchte, sollte sich auf einen klar definierten Bereich konzentrieren, etwa Schweizer Gegenwartskunst, klassische Uhren oder signierte Designmöbel der Nachkriegszeit.
Spezialisierung schützt vor den größten Fehlinvestitionen. Wer einen Markt versteht, erkennt auch überteuerte Angebote. Wer breit streut ohne Kenntnis, kauft oft genau das, was erfahrene Sammler abstößen.
Praktische Überlegungen vor dem ersten Gebot
Vor dem ersten Auftritt bei einer Auktion empfehlen sich einige konkrete Vorbereitungsschritte. Erstens: mehrere Auktionen als Zuschauer besuchen oder Online-Auktionen ohne Gebot verfolgen, um den Ablauf zu verstehen. Zweitens: die Schätzpreise mit den tatsächlichen Hammerpreisen vergleichen, um ein Gefühl für Marktdynamiken zu bekommen. Drittens: Provenienzunterlagen und Zertifikate als Grundbedingung setzen, nicht als Option.
Wer bereits Kontakt zu einem Kunstberater oder Auktionsexperten hat, sollte diese Expertise nutzen. Viele Häuser bieten kostenlose Einschätzungen an, wenn man Objekte zur Begutachtung vorlegt. Das ist kein Zeichen von Naivität, sondern professionelles Vorgehen.
Fazit: Nische mit echtem Potenzial
Luxusauktionen bieten KMU-Inhabern eine reale Möglichkeit zur Portfoliodiversifikation außerhalb klassischer Finanzmärkte. Die Renditen sind bei konservativer Auswahl solide, der Korrelationseffekt zur Börse ist gering, und der persönliche Mehrwert von physischen Sammlerobjekten ist ein Faktor, den reine Wertpapierportfolios nicht bieten. Gleichzeitig verlangt der Markt Fachkenntnis, Geduld und eine klare Strategie.
Wer keine Zeit hat, sich tiefer einzuarbeiten, sollte die Finger davon lassen oder mit kleinen Summen beginnen. Wer sich jedoch ein Segment erschließt, das zu den eigenen Interessen und zum Zeithorizont des Unternehmens passt, kann hier mittel- bis langfristig echten Mehrwert schaffen, sowohl finanziell als auch für das persönliche Umfeld.




